Generationen

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Biologischer Generationenbegriff

In der Biologie ist eine Generation die Gesamtheit aller Lebewesen, die innerhalb ihrer Abstammungsgruppe ungefähr denselben Abstand von den gemeinsamen Vorfahren beziehungsweise ihren Nachkommen haben (z. B. die Generation der Großeltern, der Eltern, der Kinder). Im soziokulturellen Verständnis ist eine Generation eine große Gruppe von Menschen, die als „Altersgruppe“ in ihrer Gesellschaft oder aufgrund der gemeinsamen Prägung durch eine spezifische historische oder kulturelle Konstellation eine zeitbezogene Ähnlichkeit aufweisen.

Generation nach Karl Mannheim

In Abgrenzung zur Biologie versucht Mannheim einen Rhythmus gesellschaftlicher Veränderung herauszuarbeiten vor dem Hintergrund von Werten und Kultur. Mit den drei Begriffen Generationenlagerung, Generationenzusammenhang und Generationseinheit versucht er sozialen Wandel zu erklären.

  • Generationenlagerung

Individuen ähnlichen Alters leben im selben sozial-historischen Raum, und sind im etwa gleichen Lebensalter den gleichen gesellschaftlichen Großereignissen ausgesetzt. Sie besitzen also ähnliche Partizipation-, Erlebnis- und Erfahrungsverarbeitungsmöglichkeiten. Die Generationenlagerung legt die objektiven Lebenschancen ungefähr gleichaltriger fest.

  • Generationenzusammenhang

Verbindet mithilfe von "realen sozialen und geistigen Gehalten" die Individuen derselben Generationslagerung.

  • Generationseinheit

Generationseinheit verbindet die Individuen nicht nur durch "soziale und geistige Gehalte" sondern gemeinsam verarbeitete und erlebte Ereignisse- also die subjektive Interpretation der herrschenden Bedingungen. Innerhalb eines Generationenzusammenhangs können sich durchaus mehrere, polare Generationseinheit bilden.

  • Zusammenfassung

Inken Bartels (2002) fasst zusammen: "Zusammenfassend lässt sich über Mannheims nach wie vor gültigen Generationsbegriff sagen, dass er sich stark an der sozialen Wirklichkeit orientiert. Generationen zeichnen sich gerade dadurch aus, dass bestimmte, in Kindheit und Jugend erworbene Einstellungsmuster und Verhaltensdispositionen ein Leben lang prägend bleiben. Zu einer Generation wird eine Altersgruppe nicht durch die aktive Partizipation an einer spezifischen kulturellen Praxis. Vielmehr basieren die generativen Gemeinsamkeiten, aufgrund der Nähe der Geburtsjahrgänge, auf der kollektiv erlebten Zeit. So können Ereignisse dieser Zeit für die Individuen besonders prägend sein und den Fokus für das kollektive Gedächtnis einer Generation bilden. Dabei ist es nicht notwendig, dass alle Mitglieder einer Alterskohorte die entsprechenden Situationen in gleicher Weise wahrnehmen und auf sie reagieren, sondern es besteht durchaus die Möglichkeit zu kontroversen Konstellationen.

Aus Mannheims Begriffsdefinition folgt, dass sich gelungene Generationsbildungen nur ex post bestimmen lassen. Erst im Vergleich der vorhergehenden Generation mit möglichen folgenden Generationen werden die spezifischen Differenzen erkennbar und eine dauerhafte Distinktion möglich. Da die Wissensbestände der älteren Generation zur Bewältigung veränderter Lebensumstände nur bedingt brauchbar sind, eignen sich die Jugendlichen selbstständig kulturelle Kompensationskompetenzen an. Aus dieser Perspektive ist die Genese von Generationen untrennbar mit der Dynamik des gesellschaftlichen Wandels verbunden."[1]

Generationenbegriffe

  • "68er-Generation": Rainer Böhme (2008) definiert die acht Millionen Deutschen der Jahrgänge 1940 bis 1950 als „68er“ weil sie in den Zeitgeist in den späten 1960ern prägten. Ab 2005 erreichte diese Generation ihr Renteneintrittsalter.[2]
  • Lost Generation: (engl. für „Verlorene Generation“) werden Heranwachsende bezeichnet, die während und nach dem Ersten Weltkrieg aufwuchsen. Ausdruck wird zum Sammelbegriff für die 1883–1900 geborenen. Ihre Enkel wurden die Baby-Boomer.
  • Generation Z: Klaus Hurrelmann (2015) warnt vor einer voreiligen Typisierung. Er hält im Anschluss an Karl Mannheim zwar die Identifizierung von Generationen für möglich. Die Sozialisation, als die Persönlichkeitsentwicklung eines Menschen in intensiver Wechselwirkung zwischen den persönlichen Ressourcen und den sozialen und ökologischen Umweltbedingungen[3], habe ihren Kulminationspunkt aber erst im Jugendalter.[4] Erst in einigen Jahren könne daher ausgemacht werden, welche technischen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Bedingungen eine neue „Generationslagerung“ entstehen ließen, die eine neue „Generationsgestalt“ hervorbringe.
  • Weitere zum Teil auch durch für Marketingzwecke instrumentalisierte Generationenbegriffe sind: Generation Golf, Generation C64, Null-Bock-Generation, Generation Praktikum etc.

Baby-Boomer-Generation

Baby-Boomer bezeichnet jene Menschen zu den Zeiten steigender Geburtenraten nach dem Zweiten Weltkrieg oder anderen Kriegen (dem „Babyboom“) in den vom Krieg betroffenen Staaten geboren wurden. In Deutschland werden die im Zeitraum von 1955 bis 1969 Geborenen von Statistikern als geburtenstarke Jahrgänge bezeichnet. Ab 1965 setzte der sogenannte Pillenknick ein: die Geburtenrate ging zurück und sank schließlich 1970 unter das Niveau von 1955 ab. Aufgrund der schieren Größe der Baby-Boomer wird sie bei Renteneintritt als wichtiger Faktor bei der Bewältigung des demografischen Wandels angesehen. Ab 2022 kommen diese geburtenstarken Jahrgänge in die Rente.

Sozialpsychologisch wird den Baby-Boomern, wegen der großen Zahl Gleichaltriger im Verhältnis zu anderen Altersgruppen eine Urerfahrung der Masse zugeschrieben, die nicht ohne Folgen für die Persönlichkeitsentwicklung geblieben ist. Stichworte: Konkurrenzverhalten und Relativierung der Individualität. Weiterhin wird oft einseitig behauptet die Baby-Boomer in Deutschland seien desillusioniert und ein passendes Lebensmotto sei das von indifferenz geprägte: „Leben und leben lassen.“ Andererseits stellten die Baby-Boomer in den 1980er Jahren als Schüler und Studenten eine große Anzahl politisch-sozial Engagierter und viele Teilnehmer*innen der Friedensbewegung und der Umweltbewegung. Andere sehen die Baby-Boomer als eine eher glückliche Generation die keine wahren Niederlagen hinnehmen musste (Vgl. Wikipedia)[5].

Generation X

Die Bezeichnung ist umstritten. Häufig wird mit Generation X, die den Baby-Boomern folgende Generation bezeichnet, also von den frühen 1960er bis in die frühen 1980er Jahre geboren wurde. Bekannt wurde der Ausdruck speziell durch den 1991 erschienenen Roman Generation X von Douglas Coupland. Coupland charakterisiert die Generation als eine, die sie sich erstmals ohne Kriegseinwirkung mit weniger Wohlstand und ökonomischer Sicherheit begnügen musste als die Elterngenerationen, aber andererseits für deren ökonomische und ökologische Sünden büßt. Sie müsse sich mit schlechten Jobs im Dienstleistungsbereich (wenig Prestige, wenig Würde, wenig Nutzen und ohne Zukunft) begnügen und werde von einer „Lessness“ (von englisch less = weniger) getragen, die den Wert des Lebens nicht an der Anhäufung von Statussymbolen misst.

Generation Y

Generation Y wird die Bevölkerungskohorte bzw. Generation genannt, die im Zeitraum der frühen 1980er bis frühen 2000er Jahre geboren wurde. Je nach Quelle wird diese Generation auch als Millennials (zu Deutsch etwa „Jahrtausender“) bezeichnet. Der Generation Y gehören die ältesten Digital Natives an. Stefanie Breuer-Indefrey fasst verschiedene Studien zur Generation Y zusammen. Die Generation Y werde skizziert als eine "selbstbewusste, vernetzte und kritische Generation (Y wie „why?“), die in einer wohlhabenden Gesellschaft mit pluralen Lebensmodellen, einer Vielfalt der Möglichkeiten, einem Überangebot an Information und einem Bewusstsein für globale gegenseitige Abhängigkeiten aufgewachsen ist. [6]

Generationenwechsel

In der Organisationssoziologie bezeichnet man als Generationenwechsel den in Intervallen auftretenden Wechsel von Organisationsmitgliedern einer Generation zur nächst jüngeren Generation. Solche Generationswechsel werden beispielsweise in Bürgerinitiativen, Betrieben, Parteien und Sportmannschaften beobachtet und oft als Nachwuchsmangel begriffen.

Ursachen dafür können sein:

  • Die etwa gleichaltrige Gründergeneration macht das gesamte Personal einer Unternehmung aus und fluktuiert nur unwesentlich.
  • Bestehende Teams nehmen häufiger gleichaltrige neu auf als jüngere oder ältere Personen.

Die Weitergabe von Wissen stellt in diesen Fällen eine zentrale Herausforderung dar.

Generationenvertrag

Mit Generationenvertrag wird ein fiktiver „Solidar-Vertrag zwischen jeweils zwei gesellschaftlichen Generationen“ (Wilfrid Schreiber) bezeichnet. Diese Idee fundiert eine im Umlageverfahren finanzierte dynamische Rente. Der Begriff Generationenvertrag ist nicht juristisch, sondern bildlich zu verstehen, da zwischen den Generationen kein juristisch einklagbarer Vertrag geschlossen werden kann.[7]

Als Ziele des Generationenvertrags können daher angesehen werden:

  • die Befriedung des Generationenkonflikts
  • auf ökonomischer Ebene die Verteilung des Arbeitseinkommens Erwerbstätiger mit der Absicht, die individuellen Konsummöglichkeiten angemessen auf die drei Lebensphasen Kindheit und Jugend, Erwerbsphase und Alter aufzuteilen.

Generationenkonflikt

Als Generationenkonflikt bezeichnet wird eine Konfliktkonstellation zwischen verschiedenen Generationen bezeichnet. Generationenkonflikte sind kulturelle, soziale oder wirtschaftliche Gegensätze zwischen mindestens zwei Generationen die miteinander interagieren und bei denen eine Generation die andere in ihren Meinungen, Werten, Gefühlen oder Zielen behindert und sich eine Generation beeinträchtigt fühlt. Inhaltlich geht es dabei um strukturell unterschiedliche Konfliktthemen und -formen, die im historischen Kontext betrachtet werden müssen, da sie abhängig sind von den Vorstellungen der jeweiligen Epoche und Gesellschaft sind.

Beispielsweise will die etablierte, ältere Generationen an den Schaltstellen der Macht ihre Machtposition gegenüber den jüngeren Außenseitern behaupten. Folglich geraten sie mit der jüngeren, weniger etablierten Generation oder ihren Vertretern in einen Konflikt, wenn ein Generationenwechsel ausbleibt, siehe z.B. die Altersstruktur der großen Volksparteien.

Als Generationenkonflikt kann auch der Streit um die Rentenversicherung betrachtet werden. Wegen der veränderten Altersstruktur der Bevölkerung zahlen immer weniger versicherungspflichtige Arbeitnehmer Beiträge ein, während die Zahl der Rentenempfänger, die früher selbst Beitragszahler waren, stetig zunimmt. Kritisiert wird dabei, dass der Staat seiner Aufgabe als regulierender Faktor zum Erhalt des sozialen Friedens in einem lange vorhersehbaren Interessenskonflikt nicht nachgekommen sei.

Als Generationenkonflikt wird auch die auf Werteunterschieden und Interessengegensätzen beruhende Kritiken angesehen, bspw. dass durch unzureichende Maßnahmen gegen Klimawandel und Umweltzerstörung die Lebensgrundlage zukünftiger Generationen zerstört werde, die im Generationenmanifest zusammengefasst sind.

Generationenmanifest

Die 10 Hauptforderungen des Generationenmanifests sind folgende:

  1. Frieden: Eine Zukunft ohne Krieg ist nicht selbstverständlich.
  2. Klima: Mit allen Mitteln die Klimakatastrophe abwenden.
  3. Bildung: Wir werden neue Kompetenzen brauchen.
  4. Armutsbekämpfung: Hunger, Armut und Überbevölkerung beenden.
  5. Gerechtigkeit: Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich verringern.
  6. Unternehmenshaftung: Unternehmen und Banken dürfen nicht gegen, sondern müssen für die Menschen arbeiten.
  7. Migration: Menschen werden kommen, sie haben ein Recht darauf.
  8. Digitalisierung: Die digitale Revolution birgt Chancen und Risiken.
  9. Müll: Abfall darf nicht unser Hauptvermächtnis an künftige Generationen werden.
  10. Generationengerechtigkeit: Aufnahme in das Grundgesetz!

Bürgerverein Burgkunstadt hat versucht das Generationenmanifest auf lokale Ebene zu transferieren, hier.

Generationengerechtigkeit

"Der Begriff Generationengerechtigkeit (auch als intergenerative Gerechtigkeit bezeichnet) steht für eine Vielzahl Diskussionen im wissenschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Bereich, in denen die Wechselwirkungen des Handelns zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Generationen auf ihre Gerechtigkeit hinterfragt werden. Darunter fallen unter anderem die Problembereiche Umweltschutz und Staatsverschuldung, die Forderung nach einer Rentenreform oder gar nach einer möglichen Bevölkerungspolitik, sowie die Tatsache einer Altersdiskriminierung in den westlichen Gesellschaften, z. B. bei der Jobsuche, wie auch die hohe Jugendarbeitslosigkeit."[8]

Quellen

  1. https://archive.is/7Gayx#selection-339.0-347.606
  2. http://www.bpb.de/geschichte/deutsche-geschichte/68er-bewegung/52048/68er-in-rente
  3. Klaus Hurrelmann / Ulrich Bauer: Einführung in die Sozialisationstheorie. Weinheim: Beltz. 2015
  4. Klaus Hurrelmann / Gudrun Quenzel: Die heimlichen Revolutionäre. Weinheim: Beltz. 2013
  5. https://de.wikipedia.org/wiki/Baby-Boomer#Psychologie_und_Soziologie
  6. http://www.indefrey-consulting.de/mediapool/95/957113/data/Wie_kann_Personalentwicklung_Personalmanagement_Fuehrungskraefte_im_Umgang_mit_Mitarbeitern_der_Generation_Y_unterstuetzen_.pdf
  7. Gunther Tichy: „Der hochgespielte Generationenkonflikt - ein Spiel mit dem Feuer“ In: Zukunftsforum Österreich: „Generationenkonflikt - Generationenharmonie: sozialer Zusammenhalt zur Sicherung der Zukunft“ Verlag des ÖGB, Wien 2004, S. 311.
  8. https://de.wikipedia.org/wiki/Generationengerechtigkeit