Demographischer Wandel

Aus Care-Info
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Geburtenrate, Sterberate, Wanderungen: Drei Faktoren beeinflussen die Demografie. Auch wenn die Geburtenrate zuletzt wieder leicht angestiegen ist, kommen in Deutschland heute weniger Kinder zur Welt als früher – bei steigender Lebenserwartung. Dadurch erhöht sich das Durchschnittsalter der Bevölkerung. Das Wanderungssaldo gleicht das auch in Freiburg nicht aus. Gewöhnlich wird die demographische Entwicklung in Deutschland im Vergleich mit dem Jahre 2030 dargestellt. Denn 2030 werden die geburtenstarken Jahrgänge (Babyboomer) in die Rente kommen und zugleich werden die geburtenschwachen Jahrgänge (Pillenknick) erwerbstätig sein.

Mit dem demografischen Wandel gehen verschiedene sozialen Verwerfungen einher, z.B. die Zunahme alleinstehender älterer und armer Menschen und die Verringerung des Potentials helfender Angehöriger (Krise der sozialen Reproduktion), Altersarmut, Pflegenotstand und Zunahme der Demenzerkrankungen.

Freiburg 2005 2015 2030 Veränderung

2015 bis 2030

Bis unter 18 Jahre 33020 34872 38465 + 8,9 %
Erwerbsfähige 149513 141639 155979 + 4,6 %
Personen 65+ 32551 36053 44262 + 23 %
Gesamt 207210 220438 238706 + 8,3 %

Tabelle 1: Neue Alte und Ältere, am schnellsten wachsende Gruppe Quelle: https://fritz.freiburg.de/Bibliothek/statistik_veroeffentlichungen_stadtbezirksatlas_2015.pdf

Interessanterweise sind nicht nur die Alten unsere am schnellsten wachsende Bevölkerungsgruppe sondern gleichzeitig (=demographischer Wandel) sondern sowohl die Anzahl der Single- sowie der kinderlosen Haushalte nehmen in den letzten Jahren kontinuierlich zu (+ x%). Zusammen mit den zunehmend flexibilisierten Arbeitsverhältnissen das die Kinder zwingt ihren Job in weit entfernten Wirkungsstätten zu suchen, bleiben immer mehr einsame Ältere zu Hause alleine. Zugenommen hat auch die Anzahl erwerbstätiger Frauen den letzten Jahrzehnten. Damit stehen sie im konservativen, d.h. familienbasierten deutschen Wohlfahrstaat nicht mehr unentlohnt für zur Verfügung für die Pflegearbeit in der Familie. Während sich die Produktion von Gütern rationalisieren und steigern lässt trifft das für die kommunikationsorientierten und zeitintensiven Dienstleistungen nicht zu: „Krise der sozialen Reproduktion“ (Gabriele Winkler).

Die Anzahl der prekären Erwerbsbiographien nimmt auch bei gut bis sehr gut Ausgebildeten zu. Denn die Arbeitswelt wandelt sich und eine zunehmenden Anzahl von jungen Menschen sind nicht genug flexibel, mobil, leistungsbereit, global kompetitiv und beschleunigt (beispielsweise weil Sie Kinder haben). Entsprechend gelingt es ihnen nicht ausreichende Rentenanwartschaft zu erwerben oder privat vorsorgen. Eine weithin bekannte Folge des Wandels der Arbeitswelt ist also die zunehmende Altersarmut. Einer Runde von Freiburger Sozialarbeiter*innen zufolge, die heute in Begegnungsstätten und Zentren arbeitet, sehen sie sich 2030 die alte Bevölkerung in Suppenküchen oder Armenspeisung mit dem Notwendigsten versorgen.

Zuletzt nehmen mit der alternden Bevölkerung auch die Anzahl der Demenzerkrankungen seit Jahren zu: Im Durchschnitt erkrankt in Deutschland alle 100 Sekunden ein Mensch an Demenz, braucht also oftmals 24- Stunden Begleitung, so dass heute jeder dritte über 65-Jährige von der Krankheit betroffen ist. Wer seine Krankheit verschweigt, ist verloren.

Aufgrund des bereits in den 90 Jahren des letzten Jahrhunderts absehbaren Pflegenotstands, einem akuten Personalmangel in der Pflege, werden in absehbarer Zeit weder die Pflegeberufe aufgewertet noch die Pflegeversicherung ausgeweitet. Stattdessen wird auf den Einsatz von ausländischen Care-Migrantinnen sowie die Aktivierung von sozial verwundbare Gruppen gesetzt: Flüchtlinge, Rentner, Arbeitslose, Frauen sowie Bundesfreiwilligendienst.