Brueckenpflege

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Brückenpflege ist die Betreuung von schwerkranken (Tumor-)Patienten zu Hause.

„Wir betreuen fachkompetent, unterstützen und begleiten Patienten in dem Wunsch, bis zu ihrem Lebensende zu Hause bleiben zu können.“ (Aus dem Flyer „Brückenpflege“)

Der folgende Artikel entstammt einem Vortrag von Astrid Ebach, Brückenpflege Freiburg, auf Einladung von ÄwiR Glashaus Rieselfeld, 20. November 2018 und wurde von Sigrid Hofmaier am 21.11.2018 geschrieben.

Zwischen Leben und Tod

Die Brückenpflege richtet sich an schwerkranke und austherapierte Patienten mit Schmerzen – eine „hochpalliative Situation, in der alle medizinischen Möglichkeiten final ausgeschöpft sind“. Sie schließt die Lücke zwischen Klinikaufenthalt und Tod. Im Großraum Freiburg (Umkreis 40 km zwischen Müllheim und Herbolzheim, Elzach, Breisach und St. Peter. In diesem Kreis leben 360.000 Menschen) sind sechs pflegerisch ausgebildete Personen mit Zusatzausbildung in Palliativpflege und Paincare (Schmerzmanagement) tätig; ab 1.7.2019 kommt eine Koordinatorin hinzu. Die Brückenpflege ist 24 Stunden in Rufbereitschaft und vereinbart mit jedem Patienten individuelle Besuchszeiten. Bis Ende dieses Jahres wurden/werden ausschließlich Tumorpatienten versorgt und begleitet; der Dienst war/ist beim Tumorzentrum CCCF am Universitätsklinikum Freiburg angedockt.

Ab Januar 2019 steht die Brückenpflege auch anderen schwerkranken Patienten (z.B. Herzkranken, neurologisch Erkrankten) in der Palliativversorgung zur Verfügung. Voraussetzung sind schwere körperliche Symptome, wie Schmerzen, Übelkeit, Erbrechen etc. Die Brückenpflege ergänzt die Maßnahmen des Haus- bzw. Facharztes. In engem Kontakt zu diesen werden Vorschläge zur Linderung der individuellen Schmerzen des Patienten erarbeitet. Weitere Kooperationen bestehen mit Pflegediensten, Nachbarschaftshilfsdiensten und Ehrenamtlichen im ambulanten Hospizdienst. Ein frühzeitiger Kontakt ist unbedingt erwünscht.

Voraussetzung für eine gut funktionierende Brückenpflege ist eine gute Beziehung zwischen Pfleger*in und Patient*in. Kriterien für einen Abbruch seien eine nicht funktionierende Beziehung oder dreimalige Verständigung des Rettungswagens.

Leistungen

  • Erstkontakt per Telefon oder Mail
  • Ausführliche Schmerzanamnese (min. 30 Minuten)
  • Persönliche Abklärung des Betreuungsbedarfs und entsprechende Begleitung durch gleichbleibenden Ansprechpartner
  • Abstimmung mit dem Hausarzt bzw. Facharzt und entsprechende Umsetzung der Medikation
  • Beratung und Anleitung von Patienten, Angehörigen und Pflegepersonal
  • Regelmäßige Symptomkontrolle und spezielle Behandlungspflege
  • Hilfe beim Ausfüllen des Antrags auf Anerkennung einer Pflegestufe (30 Minuten)
  • Abklärung der Voraussetzungen für eine 24-Stunden-Betreuung durch im Haushalt lebende Hauswirtschafterinnen (private Bezahlung) und Hilfe bei der Vermittelung.
  • Begleitung in der letzten Lebensphase

Die Leistungen der Brückenhilfe sind momentan gratis für Patienten und Krankenkassen (wg. Finanzierung durch das Tumorzentrum, s.o.). Ab 2019 hängt der Einsatz der Brückenpflege von der Zustimmung der Krankenkasse über Verordnungsscheine ab. Damit steigt der Bürokratieaufwand.

Verfügungen & Ergänzungen

Im anschließenden Gespräch kam auch das Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht zur Sprache. Lt. Frau Ebach reicht es nicht aus, die in den Formularen vorgegebenen Felder anzukreuzen. Man sollte zusätzlich in dem Formular detailliert verbalisieren, was einem wichtig ist (z.B. würde die lapidare Verfügung „Ich möchte nicht an Schläuche angeschlossen werden“ auch Blasenkatheter und Portversorgung einschließen. Wenn man diese jedoch wolle, müsse man das entsprechend formulieren.) Denn: „Eine Verlängerung des Lebens ist oft auch eine Verlängerung der Qual.“ Jeder Patient müsse für sich selbst entscheiden, was er möchte.

Familie & Abschied

Die Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht sollten möglichst in Abstimmung mit den Angehörigen ausgefüllt werden. Gerade die Familie bzw. das häusliche Umfeld sei immens wichtig für diesen Prozess: Frau Ebach hat die Erfahrung gemacht, dass nicht die Aussicht auf das eigene Sterben unbedingt belastend ist, sondern das Leid der Familie. „Das Abschiednehmen kann man keinem Menschen ersparen.“ Viele Menschen, so Frau Ebach, könnten erst sterben, wenn ihre Angehörigen gerade nicht im Raum sind…

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